13. Februar 2009

Das Vollkaskoimplantat - nur eine Werbebotschaft

In der Tagespresse wird ein "Vollkaskoimplantat" beworben, welches eine Garantie über 10 Jahre bereits inklusive hat – wenn der Patient diese dazu kauft. Hierdurch würde man -so der Vertreiber des Implantats, Clinical House, Bochum- den Wünschen der Patienten nach Garantien bei Zahnimplantaten nachkommen, die man erkannt und gemessen(!) habe. Natürlich werden in den ganzseitigen Anzeigen genau die Zahnarztpraxen beworben, die ein solches "Vollkaskoimplantat" im Programm haben.

Der Ansatzpunkt für diese Garantie liegt im Bereich Kostensicherheit, welche durch die Absicherung der bei einem Implantatverlust entstehenden Kosten (über eine Versicherungspolice mit der Gothaer Vers. AG) erzielt werden soll.

Dass Implantate weit mehr als 10 Jahre halten können, steht wissenschaftlich heute nicht mehr zur Debatte. Das könnte auch für das beworbene und von der Firma ZL in Hagen hergestellte Implantatsystem gelten. Studien zu diesem System gibt es aber leider nicht. Es ist nämlich noch ein recht junges System. Also eine, in meinen Augen, mutige Versicherung, die bei dieser Risikokalkulation eingestiegen ist. Es wird nämlich ebenfalls nicht die Qualität der Praxis beurteilt.

Im Verlustfall sollen Implantat und Aufbauteile ersetzt, sowie ein gedeckeltes Honorar für die Neuimplantation zur Verfügung stellt werden. Als Patient muss man wissen, dass viele namhafte Implantathersteller schon jetzt im Verlust- oder Reklamationsfall Material auf Kulanz ersetzen. Und dies bis zu 30 Jahre. Die Übernahme von Honoraranteilen ist tatsächlich neu und sicherlich eine Werbebotschaft wert.

Für uns Implantatexperten ist klar:
  • Die Implantateinheilzeit ist die eigentlich kritische Phase. Aber gerade ein solcher Frühverlust ist nicht mitversichert, denn die Versicherung greift erst nach einer Einheilzeit von 6 Monaten.
  • Die Kosten der Implantatversorgung werden in den meisten Fällen ganz wesentlich vom aufgesetzten Zahnersatz der sog. Suprakonstruktion geprägt. Diese Kosten für die Erneuerung des Zahnersatz (Laborleistung und Honorar für den Behandler) sind von der Versicherung jedoch nicht abgedeckt. Gerade wenn bei einer festsitzenden Brücke durch den Verlust eines Implantats vielleicht die gesamte Zahnersatzkonstruktion erneuert werden muss, kommt man mit der Erstattung des Implantatmaterials und des anteiligen Honorars für die Reimplantation nicht weit.
  • Nach einem Implantatverlust reicht das Knochenlager für eine einfache Reimplantation oftmals nicht aus. Die Implantatbehandlung wird schwieriger, ein Knochenaufbau notwendig. Das Mehrhonorar für erhöhte Schwierigkeit und den Knochenaufbau (samt Material) sind ebenfalls kein Teil der Versicherungsleistung.

Fazit:
Die genannten Garantieleistungen mit dem Begriff "Vollkasko" zu bewerben, muss unter diesen Umständen als stark irreführend eingestuft werden. Die korrekte Botschaft "unter Umständen Teilkasko mit hoher Selbstbeteiligung" ist jedoch nicht dazu geeignet, einen wesentlichen Werbeeffekt für das Produkt zu erreichen. Darum geht es hier nun mal: lächelnde Praxisinhaber, die durch die Kampagne Patienten in die Praxis gespült bekommen, ein lächelnder Hersteller, der sein Produkt vermarktet hat und ein lächelnder Patient, der glaubt, rundum abgesichert zu sein für 50€ mehr Geld.

Implantatspezialisierte Praxen können sehr wohl das Risiko eines Verlustes einschätzen und sind - so wie unsere Praxis - i.d.R. bereit, Gewährleistung für Ihre Arbeit und das eingesetzte Material zu geben. Und das von Anfang an.

Zur Info: Eine Implantatversicherung ist nicht neu. Sie wurde vor einigen Jahren schon einmal (herstellerunabhängig!) von einer Versicherung angeboten und war schnell vom Markt verschwunden, als die ersten Schäden beglichen werden mussten.